Friedrich Nietzsche — Vier Gedichten uit Spruchhaftes, 1869-1888

Einstmals — ich glaub im Jahre des Heils Eins —Friedrich Nietzsche in 1873, als professor te Basel
Sprach die Sibylle, trunken sonder Weins:
“Weh, nun geht’s schief!
Verfall! Verfall! Nie sank die Welt so tief!
Rom sank zur Hure und zur Huren-Bude,
Roms Cäsar sank zum Vieh, Gott selbst — ward Jude!”

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Das neue Testament

Dies das heiligste Gebet-,
Wohl- und Wehe-Buch?
– Doch an seiner Pforte steht
Gottes Ehebruch!

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Das WortFriedrich Nietzsche in 1868, als artilleritst

Lebendgem Wort bin ich gut:
Das springt heran so wohlgemut,
Das grüßt mit artigen Genick,
Ist lieblich selbst im Ungeschick,
Hat Blut in sich, kann herzhaft schnauben,
Kriecht dann zum Ohre selbst dem Tauben,
Und ringelt sich und flattert jetzt,
Und was er tut – das Wort ergetzt.

Doch bleibt das Wort ein zartes Wesen,
Bald krank und aber bald genesen.
Willst ihm sein kleines Leben lassen,
Mußt du es leicht und zierlich fassen,
Nicht plump betasten und bedrücken,
Es stirbt oft schon an bösen Blicken –
Und liegt dann da, so ungestalt,
So seelenlos, so arm und kalt,
Sein kleiner Leichnam arg verwandelt,
Von Tod und sterben mißgehandelt.

Ein totes Wort – ein häßlich Ding,
Ein klapperdürres Kling-Kling-Kling.
Pfui allen häßlichen Gewerben,
An denen Wort und Wörtchen sterben!

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Vorsicht: Gift!

Wer hier nicht lachen kann, soll hier nicht lesen!
Denn, lacht er nicht, packt ihn “das böse Wesen”.

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Friedrich Nietzsche (1844-1900)
Uit: Spruchhaftes aus den Jahren 1869-1888,
alle opgenomen in Gedichte (Reclam UB 7117)

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Afbeeldingen
1. Friedrich Nietzsche in 1873, als professor te Basel.
2. Friedrich Nietzsche in 1868, als artilleritst.

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